Baukultur
Baukultur
Baukultur – dabei denkt man zunächst an die große Baukunst und wertvolle Architektur, die uns die Geschichte hinterlassen hat. Dass wir damit auch die Verpflichtung übernommen haben, sie für die Zukunft zu erhalten, ist für uns selbstverständlich. Allerdings machen wir uns wohl wenig Gedanken darüber, was das konkret bedeutet; uns ist meist nicht bewusst, dass die Erhaltungsarbeiten nur von Restauratoren und Handwerkern ausgeführt werden können, die die tradierten Bautechniken beherrschen - auch Kenntnisse müssen also weitergegeben und Fähigkeiten geübt werden: Würden wir versäumen, das immaterielle Erbe zu pflegen, hätten wir das materielle Erbe preisgegeben.

Aber das Erbe will auch lebendig erhalten, für Gegenwart und Zukunft fruchtbar gemacht werden. Darin liegt die Aufgabe, gemäß den heutigen Erfordernissen und ästhetischen Vorstellungen die Prinzipien zu verwirklichen, die durch alle Zeiten kulturbildend gewirkt haben: handwerkliche Arbeit, Schöpfen aus der kulturellen Identität, Einbettung in die Umgebung, Einsatz natürlicher Materialien, größtmögliche Schonung der Umwelt, individuelle Gestaltung... Der Verein Kalknetzwerk unterstützt die Akteure in diesen Bereichen und macht Informationsveranstaltungen für die breite Öffentlichkeit.

Man redet von Zukunft und meint damit die kommenden Generationen; es gilt also, die jungen Menschen mit einzubeziehen; dafür bieten sich viele Möglichkeiten. Unser Beitrag ist die Entwicklung spezieller Konzepte für junge Handwerkerinnen und Handwerker.

Baukultur erwächst aus der Interaktion zwischen geografischen, historischen, wirtschaftlichen Faktoren und kulturellen Traditionen einer Landschaft; sie prägt und spiegelt die Identität ihrer Menschen. In diesem Sinne gelungene Architektur verleiht einer Stadt ihren ganz eigenen Charakter. Wir sagen, der Ort habe Atmosphäre und empfinden es als Lebensqualität.

Welche Kraft darin liegt, nehmen Fremde am deutlichsten wahr: Sie spüren das Angebot, Bindung aufzubauen und fühlen sich bald heimisch, während in einer gesichtslosen Stadt das Gegenüber fehlt – man wird nicht „angesprochen“ und fühlt sich verloren.

Das Gehöft ist für die Bedürfnisse eines kleinbäuerlichen Haushalts konzipiert. Ganz selbstverständlich sind die Gegebenheiten des südlichen Klimas einbezogen, und ebenso selbstverständlich hat man mit den lokal verfügbaren Materialien des Kalklandes Apulien gebaut.

Solche Bauweise hat sich in ungebrochener Kontinuität durch Jahrhunderte aus ländlicher Spontanarchitektur heraus entwickelt. Erkenntnisse und Erfahrungen vieler Generationen sind in die Bautradition eingegangen, und stetige Verbesserung hat schließlich zu dieser Ideallösung geführt: perfekte Harmonie von Funktionalität und Schönheit…!