„LimeStoneStories – Artist Residency“ 2016

„LimeStoneStories – Artist Residency“ 2016

Museumspark Rüdersdorf, Kalkabbaugebiet bei Berlin
Bericht von Rik Beck

Im August 2016 trafen sich neun KünstlerInnen aus ganz Deutschland und aus Russland um drei Wochen zusammen zu arbeiten und auszustellen. Der Veranstalter, das Kalknetzwerk (KNW), der Museumspark Rüdersdorf, die CEMEX und die Sparkasse Märkisch Oderland unterstützten die Veranstaltung mit finanziellen und materiellen Spenden, stellten uns die Unterkunft und viel Knowhow zur Verfügung.
Ihnen gilt unser herzlicher Dank!

Einen Katalog kann man ab dem Jahreswechsel über das KNW beziehen. Bildnachweis: Privat, aus dem Fundus der Künstler
Evgeniya Balantseva
Schätze / Treasures

Installation - verschiedene Materialien

Ich fand ein Haus in der Erde, darin waren Nägel, Kabel, Glasscherben, eine Lampe, Knöpfe…. Spuren von Leben, die Schätze für archäologische Forschungen sind. Aber! In unserer gegenwärtigen Kultur haben wir eine andere Vorstellung von Schätzen - sie werden symbolisiert durch etwas, das einer Truhe voll Gold ähnelt. Dieses Symbol einer Schatztruhe findet man in Abenteuerbüchern, Filmen, Geschichten usw. Die Truhe begeistert uns. Aber rostiges Metall - nicht! Obwohl rostiges Metall wertvoller ist als die Truhe.
Also habe ich eine Truhe hier in die Erde gesetzt, ins Innere des ehemaligen Hauses, um daraus eine Schatztruhe zu machen, gemeinsam mit den Besuchern des Museumsparks (anstelle der dort gefundenen rostigen Metallteile, die das Archiv des Parks erhält). Wir tauschen einen Schatz gegen einen anderen!
1. Nimm die Trompete und halte sie an dein Ohr.
2. Stecke ein Geldstück in den dafür vorgesehenen Schlitz
3.Hör zu, wie die Münze in die Schatztruhe rollt!
Das Geld wird in der Truhe bleiben. Ich werde es NICHT nehmen, denn von jetzt an wird die Schatztruhe auf den Moment warten, wenn jemand sie finden wird, wie einen echten Schatz.
Rik Beck
- protect me –

Installation - Leinentuch, Kalk, Objekte

Fünf Symbole:
Vorhang / Zudecke / Bekleidung /Zeltdach
Der Imperativ des Titels lässt keinen bestimmten Akteur erkennen. Nur das ´mich`(´me`). So ist jeder angesprochen in dem Moment, wenn er den Titel liest. Jeder ist demnach zu schützen. Es wird das Solidaritätsprinzip sichtbar.
Kalk: Bildet als Element eine Voraussetzung für unsere Existenz. Er ist also nicht zerstörbar nur verwandelbar und überall auf der Erde existent, einschließlich in unserem Körper.
Der Idee zu dieser Arbeit liegt ein Fernsehbericht über Aleppo im Kriegszustand zu Grunde. Er zeigte Menschen, die sich in den Straßen vor Scharfschützen durch aufgehängte Leintücher zu schützen versuchen.
Natalia Egorova
RM-1
Pseudomorphose Fragment Signalsystem

Zement

RM-2
Pseudomorphose Fragment Bauelement

Zement

RM-3
Pseudomorphose Spur

Zement

Hier geht es um das Neu-Denken des bekannten Konfliktes zwischen Form und Inhalt. Dies geschieht in diesen Arbeiten durch das Nachbilden von „gegenwärtigen Fossilien“ (Pseudomorphosen), die die äußere Form eines Objektes kopieren indem die innere Struktur ersetzt wird.
Während der Pseudomorph III Aktion wurden die Originalteile des Rüdersdorfer Industrie-Organismus, der Kalkstein produziert, ersetzt durch Derivate, Zement-Fossilien. Es ging darum, die abstrakte Idee einer unabhängigen Form zu erforschen und die Kräfte frei zu setzen, die durch den Ingenieur, der den Gegensand gebaut hat, gebunden wurden. Das ausgeschnittene Original-Objekt wird in Berlin in der Galerie „Salon am Moritzplatz“ ab dem 27. August gezeigt. Dort werden sie als abstrakte Skulpturen erscheinen.

Kopie

Original

Kopie

Original


Ingo Gerken & Annika Hippler
THE SLEEPING CRANES (ZZzzzzz)
Ein Heliumballon bringt Magneten hoch zu den Haken der Kräne. Dann werden mit einer Schnur die Buchstaben hochgelassen.
Oliver Herrmann
C3OH5(COOH)3

Installation - Mixed Media

In der künstlerisch-wissenschaftlichen Anordnung werden Kalksteine aus Rüdersdorf im Verlauf der Ausstellungsdauer chemisch bearbeitet. Tropfen von Zitronensäure werden die Oberflächen der Steine verändern. Diese sind unterschiedlicher Beschaffenheit und reagieren dementsprechend verschieden. Der Vorgang stellt einen bildhauerischen Prozess auf chemischem Wege mit offenem Ausgang dar.
Oliver Herrmann
Wie es damals sein wird

Klanginstallation, 5-Kanal

10:43 min, Loop
Die Installation beschreibt akustisch die Entstehung des Rüdersdorfer Muschelkalks, seines Abbaus und die Veränderung in der Landschaft mit dem Focus „Wasser“. Ausgangspunkt ist die Auseinandersetzung mit dem „verschwundenen“ Heinitzsee, der von 1914 bis 1975 hier existierte. Naturklänge und bis ins Abstrakte verfremdete Klänge lassen das Meer vor 240 Mio. Jahren wieder erklingen, die Unterwasserwelt lebendig werden und Badeatmosphäre am See entstehen.
Die Klanginstallation spannt einen Bogen vom Trias bis ins Jahr 2062, wenn der Tagebau beendet sein wird und die Grube dann wieder zum See werden wird.
Caro Krebietke
Favourite Doorbells (Walk of Philosophers)

32 Teile, Zement

Wanderung vom Museumspark Rüdersdorf zum Moritzplatz, Kreuzberg, Berlin. Unterwegs 32 Möglichkeiten, einzukehren. 2500 Jahre an einem Tag.
Caro Krebietke
Zur Erinnerung! Poems for Lucie Tarun

Installation, verschiedene Materialien

Kopie des Poesiealbums von Lucie Tarun, Archiv Museumspark Rüdersdorf, Einmachgläser, Wasser.
Caro Krebietke
Retooled, Rüdersdorf Walls

Kinetische Installation, Alufolie, Klebeband, Draht

Skizzen von Mauern, Motoren, Schrauben. Folie nimmt die Formen auf. Panzertape macht sie zu farbigen Segeln, Metamorphosen wie Träume, die ungewiss bleiben. Sie tanzen im Wind und bewegen die schweren Räder der Seilbahn
Anna Neizvestnova
„Verdrängung / Ousting“

Objekte / Zement

As a Russian Artist, have been growing between controversial govermental ideologues and getting to the new one recently, I am interested in the tricks of collectivical and individualistic conscience, and collectivical and individualistic memory particularly. Both of my projects realised in the Ruedersdorf Museumpark tell us about that what we don’t want to think of being in such a beautiful historical place, they try to tell about prisoners and soldiers working here too hard, often until the death being very young. Invisible, they exist here as a part of history of this place.
For my Verdrängung project I’ve used the casts of real shoes of prisoners and soldiers, which are stored in the Museum’s archive.
Anna Neizvestnov
„Inorganic Memory I“

Objekte / Zement

Lana Zaytseva
Archiv. Ordner Nr. 28/16

Installation, Steine aus dem Museumspark, Rüdersdorfer Zement

Thema der Arbeit ist die Archivierung als kulturelles Phänomen. Jedes Objekt enthält einen in Zement eingebetteten Stein, der im Museumspark Rüdersdorf gefunden wurde. Die Steine wurden ausgesucht aus „strategischen Situationen der Realität“: Das be-deutet beispielsweise Teile einer zerbrochenen historische Mau-er, ein zweigeteilter Stein, oder ein ganzer Stein usw. Die in Ze-ment archivierten Steine sind in einer Foto-Dokumentation zu sehen, die am 27. August in der Galerie „Salon am Moritzplatz“ in Berlin präsentiert wird.