Vereinsitz Kalknetzwerk

Vereinssitz

In vielen Ländern der Erde setzen sich die Mitglieder des Kalknetzwerks für die Erhaltung und Neuschaffung von BauKULTUR ein, und die handwerkliche Arbeit mit Kalk steht im Zentrum des Engagements. Undenkbar, dass die Verwaltung einer solchen Organisation an einem anderen Platz angesiedelt sein könnte, als an einem Kalk-Ort mit Geschichte…!

Aber dass unser Platz inmitten dieser einzigartigen historischen Anlage der Kalkindustrie sein wird, das ist ein besonderes Geschenk.

Das Innere der Schachtofen-Batterie – auch liebevoll „Kathedrale des Kalks“ genannt

Die Gemeinde Rüdersdorf bei Berlin als Eigentümerin des Museumsparks hat uns einen schönen geeigneten Platz als Vereinssitz angeboten, und dort sind wir im Sommer 2015 eingezogen.
Die Geschichte, die hier lebendig wird, ist mit der preußischen und deutschen Industrie­geschichte und mit der Bau­ge­schichte Berlins eng verknüpft und hoch­interessant. Die Diplom-Geologin des Museumsparks, Frau Jördis Hofmann, beschreibt sie so:

Das Rüdersdorfer Kalksteinvorkommen ist nicht nur geologisch einmalig im norddeutschen Raum sondern auch der 750-jährige Bergbau ist und war wegweisend in Technologie und Wissenschaft.
Der Muschelkalk des Trias, der hier im Tage­bau­betrieb gewonnen wird, liegt im Nord­deutschen Becken normalerweise in einer Tiefe von mehreren hundert bis tausend Metern. Aufgrund der Aufwärts­bewegung des unterlagernden Zech­stein­salinars, die zwar häufig auftritt, aber nur in Rüdersdorf eine wirtschaftlich interessante Schicht an die Erd­ober­fläche drückte, kann der Rohstoff Kalkstein übertägig gewonnen werden.

In den ersten Jahrhunderten diente er der Bevölkerung der umliegenden Dörfer und Städte (auch Berlin) als Werkstein, da er leicht zu behauen war. Später wurde er in Öfen zu Branntkalk, der für Mörtel benötigt wurde, gebrannt. Die „Rumfordöfen“ oder auch „Rüdersdorfer Öfen“ wurden ab 1802 berühmt für ihre funktionale Architektur. Die Schachtofenbatterie arbeitete bis 1967 nach diesem Prinzip und ist heute noch als Indus­trie­denkmal neben den Kammer- und Rumfordöfen im Museumspark zu besichti­gen. Auch die bis ins 19. Jahrhundert bedeutsamen Wasserwege, der Seil­scheiben­pfeiler ab 1872 oder die Seilbahn, die im 20. Jahrhundert die ehemaligen Zementwerke belieferte, sind im Museumspark stille Zeugen einer sich über Jahrhunderte entwickelnden Bergbaugeschichte.

Seit 1885, wo das erste Fass „echter Zement“ Rüdersdorf verließ, stillt der Kalkstein­tagebau und die angrenzenden Werke den enormen Bedarf der Metropole Berlin an Baustoffen. Noch etwa 50 Jahre lang wird man Kalkstein gewinnen können; dann ist auch der ehemalige „Kalkberg“ Geschichte.

Die Stuttgarter Künstlerin Rik Beck auf dem Weg zum Vereinssitz

In dieser vermutlich weltweit einzigartigen historischen Anlage der Kalkindustrie hat das Kalknetzwerk DEN idealen Ort gefunden.
Der 17 ha umfassende Museumspark und die zugehörigen Gebäude werden für kulturelle Veranstaltungen genutzt, und ein Geologisches Museum dokumentiert die örtliche Kalkgeschichte.
Gemeinsam werden wir das Angebot für künstlerisch, ökologisch und gastronomisch Kreative weiter ausbauen.

Blick über das Tagebau-Gebiet